Tut Handball auf SKY Vereine kaputt machen

Seit der Saison 2017/18  gibt es Handball im TV in der Regel nur noch auf SKY zu sehen – ARD und ZDF übertragen ausgewählte Handballspiele. Ich war neugierig, ob das die Popularität des Handballsports nachweislich verschlechtert und habe mir deshalb die durchschnittlichen Zuschauerzahlen der Saison 2015/16, 2016/17 und 2017/18 angeschaut.

Zur Untersuchung habe ich mich an zwei Thesen orientiert:

  • These 1: Kleine Vereine leiden besonders unter Bezahlfernsehen
  • These 2: Bezahlfernsehen verringert die Anziehungskraft des Handballsports

Meine Beobachtungen

Nr. 1
Der Liga-Zuschauerschnitt ist nahezu unverändert -unabhängig davon wer aufgestiegen oder abgestiegen ist. Im Vergleich zu 2015/16 fanden 40 Leute mehr pro Spiel in die Halle. Das sind rund 740 mehr Zuschauer pro Saison und führt zu den entsprechenden Mehreinnahmen
Nr. 2
Der Zuschauerschnitt steigt vor allem bei Mannschaften die in die Bundesliga aufgestiegen sind
Nr. 3
Gleichzeitig verzeichnen alle Top-Mannschaften mit Ausnahme des THW Kiel in der DKB Bundesliga einen negativen Zuschauertrend!

Der große Gewinner in den letzten 3 Jahren heißen Hannover-Burgdorf, HC Erlangen und MT Melsungen (alle Auf-und Absteiger ausgenommen). Hier konnten die Zuschauerzahlen um bis zu 40% gesteigert werden. Grund hierfür könnte eine regionale Vormachtsstellung sein, die besonders viele Zuschauer anzieht. Das ist leider nicht der Fall wie diese Karte zeigt – Konkurrenz ist mit Ausnahme des HC Erlangen genügend da. Deshalb führe ich es auf die insgesamt sportlich positive Entwicklung zurück, die mehr und mehr Zuschauer in die Halle lockt.

Die Verlierer in den letzten Jahren heißen Gummersbach, Göppingen und Lemgo, da dort der Zuschauerschnitt von 2015 – 2018 um 22% – 13 % gefallen ist. Gründe könnten eine sportliche Fehlentwicklung sein, wie wir sie bei Gummersbach in den letzten 3 Jahren verzeichnen können. Damit geht jeder Fanlager aber offensichtlich anders um: Bei Lemgo hat der Abstiegskampf zu einem Anstieg der Zuschauerzahlen geführt (knapp 300 pro Spiel in der Saison 2016/17), während die Gummersbacher der Halle zunehmend fern bleiben. Göppingen befindet sich im sicheren Mittelfeld und auch das scheint nicht sehr attraktiv für Zuschauer zu sein, sodass sie nicht mehr kommen.

Aufsteiger in die Bundesliga können die Zuschauerzahlen in der DKB Bundesliga bisweilen verdoppeln – kein Wunder, wenn plötzlich der THW Kiel, Flensburg oder die Löwen in der Halle stehen – Gourmet-Handball ist garantiert. Aber nicht nur das ist ein positiver Nebeneffekt: Der neue TV-Vertrag spült statt bisher 45.000 Euro 140.000 Euro in die Kasse der Vereine. Wenn man also Aufsteigt und dazu noch mehr Einnahmen hat, ist das ganze erstmal positiv zu bewerten. Evtl müssen aber auch Investitionen getätigt werden um die Lizenz zu erhalten.

Entgegen meiner Erwartung lässt sich These 1 damit also widerlegen: Verlierer sind eher etablierte Traditionsclubs der Bundesliga, die abnehmende Zuschauerzahlen verzeichnen und die Hallen nicht mehr voll bekommen. Kleine Vereine oder Aufsteiger profitieren grundsätzlich mehr durch die neue TV-Regelung. Man kann auch sagen: Der SKY-Vertrag stärkt die Basis.

These 2 ist schwer an Hand von Zahlen zu messen. Aber ich bin der Ansicht, dass die Zahlen zeigen, dass der insgesamt negative Trend der Zuschauerzahlen der DKB Bundesliga bei den etablierten Vereinen ein deutlicher Fingerzeig sind. Die absolute Entwicklung wird durch die Aufsteiger kompensiert, die mehr und mehr Zuschauer in die Halle bekommen. Schauen wir uns die Zuschauerentwicklung von 2015 – 2018 an, sind die Zahlen teilweise erschreckend. Löwen, Füchse, Madgeburg, die für guten Handball bekannt sind und eine gute Saison spielen, hatten 2015 noch mehr Zuschauer in der Halle als diese Saison (2018). Wie soll das weiter gehen?

Zuschauer Rückgang DKB Bundesliga beim Handball
Der TV-Vertrag garantiert pro Saison 140.000 Euro (Farbe orange). Die anderen Linien ensprechen den ausbleibenden Zuschauereinnahmen je 100, 200, 300, 400 oder 500 Zuschauer beim Handballspiel.

Abnehmende Zuschauerzahlen führen nicht nur zu entgangen Ticketeinnahmen: Merchendising, die Bratwurst oder die Apfelschorle beim Spiel sind weitere Vereinseinnahmen die dem Verein entgehen. Größere Vereine, die dieses Jahr zum Beispiel 104  Zuschauer weniger haben, verkaufen auch entsprechend weniger Tickets.

Berechnen wir für  104 Tickets 15 Euro pro Heimspiel entspricht das schon 1.560 Euro weniger Erlöse pro Heimspiel, was in einer Saison mit 17 Heimspielen 26.520 Euro weniger Einnahmen sind. Rechnen wir pro Ticket noch Ausgaben wie 5 Euro für eine Bratwurst oder Fanta hinzu sind das auch nochmal 8.804 Euro in der Saison.

Dieser Betrag ist aber deutlich niedriger als die 140.000 Euro die garantiert werden. Also kommen auch diese Vereine unter dem Strich mit dem TV-Vertrag besser weg, da die ausbleibenden Ausgaben die 140.000 Euro noch lange nicht übersteigen. Ihr könnt das ja mal für andere Vereine durchspielen, ich habe da teilweise einen verpassten Umsatz von über 100.000 Euro raus. Kritisch wird es ab 300-400 Zuschauer weniger pro Spiel: Da sind die Verluste durch ausbleibende Zuschauer nahezu so groß wie die zusätzlichen TV Einnahmen (rund 100.000 Euro). Checkt mal welche Vereine das betreffen würde.

Fazit: Die Vereine haben mehr Geld – dennoch gab es auch dieses Jahr kein Final Four mit deutscher Beteiligung (was ein Auslöser der Diskussion war). Der Zuschauertrend bleibt negativ, was mich besonders bei den etablierten Vereinen sorgt. Ich kann nicht beweisen, dass die Pay-TV Verträge mit Ausnahmeübetragungen auf ZDF und ARD dem Handballsport schädigen – aber es ist erkennbar, dass es den negativen Trend nicht stoppt. Und das ist bei der aktuellen Lage, wo Basketball, Hockey und Volleyball mehr und mehr in den Vordergrund rücken kein gutes Zeichen.

Quellen der Zuschauerzahlen: Handball-World und DKB Bundesliga.

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