Das Feedbackgespräch zwischen Handballtrainer und Spieler

Nach rund 70% der Saison ist es soweit: Die Trainer – Spielergespräche stehen an.Diese Einzelgespräche können DER eine Moment in einer Trainer – Spieler – Beziehung sein an den man sich selber noch lange zurückerinnern kann. Ziel des Gesprächs muss es sein, die bisherige Saison zu relektieren und den Grundstein für die nächste Saison zu legen. Diese Einzelgespräche bieten viele, teils einmalige Chancen:

  • Es können persönliche Differenzen ausgeräumt werden
  • Es können Ziele festgelegt werden
  • Es kann konstruktive Kritik geäußert werden
  • Es kann Planungssicherheit erlangt werden

In diesem Artikel liegt der Fokus auf die Vorbereitung für den Trainer.

Wenn du ein Spieler bist, interessiert dich sicherlich die Vorbereitung für Spieler auf das Entwicklungsgespräch.

Bist du bereit?

Es ist zwar ein Trainer – Spieler Gespräch, doch der Trick ist es hauptsächlich zuzuhören.

Der erste Schritt ist es eine angenehme Atmosphäre zu schaffen. Je nach Charakter der beiden Beteiligten, aber noch wichtiger je nach Beziehung zueinander, kann erstmal Small-Talk geführt werden. Jeder Mensch erzählt gerne über sich, beziehungsweise findet es gut, wenn zugehört wird. Also bring deinen Spieler/in zum sprechen. Das passende Thema kann die Schule sein, die Arbeit sein, das kann das Familienleben sein, es kann ein gemeinsamer Bekannter sein, …

Dann ist es die Aufgabe des Trainers, die Gesprächsführung zu übernehmen. Bereite den Spieler auf die nächsten Minuten vor, indem du dem Spieler den Ablauf des Gesprächs kurz skizzierst.

  1. Reflexion der vergangen Saison
  2. Reflexion über sich selber
  3. Einschätzung des Trainers
  4. Planung der aktuellen und nächsten Saison
  5. Gemeinsame Ziele festlegen
  6. Zentrale Aussagen des Gesprächs zusammenfassen lassen

Reflexion der vergangen Saison

In diesem Gesprächsabschnitt soll der Spieler die aktuelle Saison  aus seiner Sicht zusammenfassen (Mannschaftserfolg) und reflektieren, wo die Stärken der Mannschaft liegen und wo sie sich noch taktisch verbessern sollte. Die Sicht eines Spielers ist oftmals anders als die des Trainers. Gerade deshalb ist es eine sehr gute Möglichkeit bestimmte Dinge mal aus einer anderen Perspektive betrachten zu können. Wer hier gut zuhört, kann viel über die Mannschaft lernen. Der Trainer, der an den richtigen Stellen nachhakt, kann wertvolle Informationen über das eigene Handballtraining und die eigene Spielführung sammeln. Und ein richtig guter Trainer lernt daraus.

Was denkt der Spieler über sich?

Das FeedbackgesprächAnschließend wird es schon schwerer: Der Spieler soll sich selber bewerten. Wo sind die Stärken und Schwächen von einem selbst. Sieht er einen Zusammenhang zwischen den Fähigkeiten und die Spielanteile? Was ist die grundlegende Motivation der Spieler?

Ich finde es hier total wichtig herauszufinden, wie der Spieler sich selbst sieht und wie der Handballer seine Rolle in der Mannschaft reflektiert. Wenn du hier genau zuhörst, weißt du 1. wie du die Spieler „kriegst“ / motivieren kannst und 2. wo du im nächsten Schritt womöglich gegensteuern oder unterstützen solltest.  Wichtig ist in diesem Step, nicht zu beeinflussen oder Aussagen zu erzwingen.

 

Das Feedback des Trainers

So und jetzt kommt der Endgeger.

Es empfiehlt sich mit den Stärken anzufangen und dann die Punkte, die der Spieler negativ über sich geäußert hat, zu bekräftigen. Aber bloß nicht Öl ins Feuer gießen. Wichtig ist es, dass du als Trainer aufzeigst, wie du dabei helfen kannst, die Schwächen zu verbessern und vor allem, wie die Stärken noch weiter verbessert werden können. Verbinde die ausbaufähigen Punkte mit den Wünschen des Spielers. Damit kannst du 2 Fliegen mit einer Kappe schlagen. Und beschränke dich auf die Punkte, wo du den größten Hebel siehst. Hat der Spieler einen wichtigen Punkt nicht genannt, ansprechen und besprechen. So kann aus einem „Kritikgespräch“ ein „Motivationsgespräch“ werden.

Hey:

Es kann aber auch sein, dass Spieler sich weit schlechter sehen, als sie wirklich sind. Auch hier ist das Fingerspitzengefühl gefragt. Spieler brauchen aus meiner Sicht Selbstbewusstsein um zu performen. Ein Einzelgespräch ist dafür geschaffen, es zu vermitteln. Aber bleib ehrlich und lass dich nicht zu Aussagen hinreißen, die du vor der Mannschaft nicht rechtfertigen könntest. Man weiß ja nie.

Denk daran: Keine Aussage ohne Beleg. Mach dir vor dem Gespräch Gedanken, wie du deine konstruktive Kritik Belegen kannst. Und zwar konkret. Eindruck und Gefühl helfen bei diesem Gespräch nicht weiter! Fakten schon.

Zukunftsplanung

Um den Punkt abzurunden, kann abschließend beschlossen werden, wie die aktuelle Saison noch aussehen kann:

  • Welche Wünsche hat der Spieler
  • Welche Ziele hat der Spieler
  • Was ist das Saisonziel des Spielers
  • Woran wird der Spieler gemessen
  • Passt der Spieler in das Niveau der Liga / Mannschaft
  • Was ist die Rolle des Spielers in dem Team zum Saison Ende und nächste Saison

Je nach Altersklasse ist natürlich wichtig bereits in dem Stadium zu wissen, ob mit dem Spieler für die nächste Saison geplant werden kann oder nicht. Wie auch immer das Feedback ausfällt, es sollte an den Vorstand kommuniziert werden (evtl. inkl. der Forderungen des Spielers).

Nachdem ein wenig in die Glaskugel geschaut wurde, müssen noch gemeinsame Ziele festgelegt werden. Ich kann wirklich nur empfehlen, sich dabei an die SMART-Formel zu halten

 

  • Spezifisch
  • Messbar
  • Akzeptiert
  • Realistisch
  • Terminiert

Der Gesprächsabschluss

Anschließend sollten beide Seiten nochmal das Einzelgespräch zusammenfassen, damit ein Konsens darüber besteht, was besprochen wurde. Du als Trainer achtest darauf, dass nicht nur die Kritik, sondern auch die positiven Punkte genannt werden. Ist alles gut gelaufen, wurde konstruktiv gearbeitet und gemeinsam Ziele festgelegt, so hat man als Trainer ein sehr erfolgreiches Gespräch geführt. Da nun alle in die gleiche Richtung schauen, kann auch in die gleiche Richtung gearbeitet werden.

Weiterfühende Links:

Die SMART-METHODE

 

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