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Peter und Heiko am Kampfgericht

Hallo Heiko, möchtest du dich bitte einmal den Lesern vorstellen?
Mein Name ist Heiko Meischt und ich bin 52 Jahre alt. Ich arbeite noch und bin seit 14 Jahren verheiratet. Darüber hinaus führe ich eine Schiedsrichter-Seite und bin viel in den Handballhallen in Hamburg und Schleswig Holstein unterwegs als Einzelschiri, Videocoach, Zeitnehmer, Beobachter und Vereinsschiriobmann beim AMTV.

Was machst du, wenn du nicht in Verbindung mit dem Handballsport unterwegs bist?
An den freien Wochenenden nutze ich die Gelegenheit mit meiner Frau für Ausflüge ans Meer, Treffen mit Freunden zum Bowling, Darten, Billard oder gemütlich Essen gehen. Sie hat in den ersten 13 Jahren sehr viel Verständnis für Hobby aufgebracht. Es wird Zeit ihr nun etwas Dankbarkeit zurück zu geben. Wir sind nun 20 Jahre zusammen. Deshalb reduziere ich nach Möglichkeit meine Einsätze auf einen Tag pro Wochenende.

Wie sah deine bisherige Handball-Schiedsrichter Karriere aus?
Eigentlich ganz normal ohne größere Aufstiege.
1987 fing ich als 20 Jähriger mit dem Handballspielen als Torwart an. Ich machte mit meinem Freund Thomas parallel den Schirischein und war zusammen mit ihm als Gespann fast 10 Jahre unterwegs. Wir blieben stets unterhalb der OL im Bezirk und pfiffen jährlich rund 100 Spiele.

Archivbild von Heiko und Gerd im voller Schiedsrichter Montur.

Wie ging es dann weiter?

1998 zog ich nach HH und pfiff an die 10 Jahre im Bezirk und OL HVSH und später auch in Hamburg bis zur OL. Ab 2013 fing ich als Bezirksschiedsrichter Lehrwart in Hamburg an, da nun die ersten Knie und Wirbelsäulen OP´s anstanden. Dadurch kümmerte ich mich immer intensiver um die Weiterbildung der Schiri-Basis über meine aktive Homepage Meischt.de und fing an meine ersten Schritte für Videocoaching von Schiedsrichtern zu machen.

Du sprichst die Schiedsrichter-Basis deiner Seite an. Verrätst du uns, wie viele Leser du monatlich mit deinem Portal erreichst?
Das kann ich schwer abschätzen, denn ich bekomme auch viel Feedback von Handballfreunden, die bei mir auf Facebook nicht gelistet sind. Momentan habe ich gute 1.000 Follower auf Facebook und auf meiner Homepage sind es weit über 700 registrierte Schiedsrichter.

Wow. Das ist ja durchaus eine Menge. Wer sind die Personen hinter den Zahlen?
Hauptsächlich Schiris von der Basis bis hin zu Fördergespannen bis zur OL. Aber auch Vereinsobleute, Bezirkslehrwarte und Bundesligakollegen schauen immer wieder mal auf meinen Seiten vorbei, um in erster Linie Regelfragen zu üben.

Den Punkt Schiedsrichtergewinnung verstehe ich, allein wegen der Strafen, die ohne Schiedsrichter anfallen. Aber weshalb suchen dich so viele Schiedsrichter auf?
Ich denke, es sind vor allem die kostenlosen Regeltests in vielen Varianten, selbst in französisch und englisch, die ich nun anbiete. Mir ist es sehr wichtig den Jungschiris mit meinem Videomaterial praktische Beispiele vermitteln zu können.

Ja, gut, den gleichen Ansatz verfolgt auch meine Seite. Aber du animierst nicht…?

Genau, ich produziere Videos und diese habe ich nun mit dem Regelwerk so verknüpft, dass somit eine Verbindung zur Theorie auch nun ein paar bildliche Vorstellungen möglich sind.
Du meinst, ich kann einen Text lesen und dann die Situation anschauen, auf die es sich bezieht?
Genau, das baue ich gerade weiter aus.

Weiterhin habe ich einige wichtige Themen für Jungschiris zum Nachlesen aufgebaut, insbesondere das Thema Deeskalation. Denn dieses sehr wichtige Thema kommt in der Aus- und Weiterbildung deutlich zu kurz!

Und was unterscheidet deine Seite aktuell von dem DHB Schiedsrichter Portal Angebot? Die haben da ja auch in letzter Zeit massiv investiert.
Meine Seiten biete ich kostenlos an und die Zielgruppe ist für mich vorrangig die Basis.
Momentan sind meine Videos passend zu den Regeln sortiert und die registrierten Schirikollegen bekommen auf Wunsch auch ein ausführliches Testergebnis ihrer Regeltests von mir per Mail gesendet.

Ich denke, was am meisten geschätzt wird ist, dass ich für die Basis jederzeit ansprechbar bin. Dieses Feedback bekomme ich immer wieder zurück.
Das Schiriportal www.dhb-schiedsrichterportal.de ist eben etwas Offizielles und professionelles und ich biete es privat an. Aber mit 33 Jahren Schiedsrichtererfahrung mit gut 2500 geleiteten Spielen kann ich der Basis meine Tipps gut vermitteln.

Ok das kann ich nachvollziehen. Welche Tipps kannst du SR für den Anfang geben?
Ich glaube, das würde hier den Rahmen sprengen. Dafür stehen meine Seiten mit den wichtigen Themen für Jungschiris zur Verfügung. Es ist auch oft vom Alter und Erfahrung des “Jungschiris” abhängig. Wir haben ja nicht nur jugendliche Anfänger.
Aber einen Leitspruch kann ich jedem Jungschiri mitgeben:“ Nehme die harte Kritik und Beleidigungen vom Publikum nicht persönlich, denn sie kennen dich nicht. Sie sehen nur die Person als Schiri in dir! Und nächste Woche ist der nächste Schiri Kollege deren Opfer. Versucht so schnell wie möglich durch viel Praxis euch ein dickes Fell wachsen zu lassen!“

Die Schiedsrichter Ansprache vor dem Spiel.
Ansprache und Anfpiff von Heiko. Fairplay!

Was wünscht du dir von Handballtrainern gegenüber SR?
Ich spreche hier von der Basis und da wünsche ich mir einfach bessere Regelkenntnisse und mehr Verständnis/Respekt für die Jungschiris. Ebenso wünsche ich es mir, dass die Offiziellen des Heimvereins auch einen gewissen Einfluss auf das Publikum/Eltern haben sollten, wenn es zu aggressiv gegen den Schiri geht. Denn hier werden die meisten Jungschiris vergrault, die eben diesem Druck noch nicht gewachsen sind.

Was ich von beiden Seiten, aber auch wünsche ist das gemeinsame, konstruktive Gespräch nach dem Spiel. Denn hier können beide Parteien noch dazulernen und wachsen. Es muss einfach auch von der Schiriseite her möglich sein, mehr sportliche Emotionen auf der Bank zuzulassen. Hier sind sehr viele Kollegen zu dünnhäutig.

Wie sieht so eine Schiedsrichter Karriere aus?
Das stellt sich sehr unterschiedlich dar. Aber heutzutage ist der Aufstieg wesentlich einfacher als es noch vor 10 oder 15 Jahren war. Grund sind natürlich auch die zu wenigen, vorhandenen Schiedsrichter. Der demographische Wandel hat in der Schiedsrichterszene ersichtlich große Lücken aufgebaut, die nun sehr schwer zu füllen sind. Insbesondere Frauengespanne werden besonders gefördert.

Thema Ehrenamt und SR: Wie sieht hier eine Karriere aus, welche Möglichkeiten gibt es, wenn man nicht mehr jedes Wochenende Zeit hat zu pfeifen in dem Kontext aktiv zu sein?
Man erwartet nicht, dass der Schiri jede Woche unterwegs sein muss, zumindest nicht, wenn er keine Aufstiegsambitionen hat. In Hamburg reicht es, wenn man 5 Spiele als Einzelschiri verteilt über die Saison leitet. Dazu kommt ein Lehrabend. Das ist verhältnismäßig sehr wenig. Damit hilft er dem Verein die Soll-Ist Erwartung zu erfüllen.

Welche Tipps kannst du Vereinen geben, um SR zu gewinnen / was wünscht du dir von Vereinen / was machen viele Vereine verkehrt?
Auch dieses Thema wurde schon so häufig tot diskutiert und ist doch immer wieder brandaktuell. Auf https://www.meischt.de/allgemein/jungschirithemen/schiri_werben/ habe ich einige Fakten aufgeschrieben. Es sind sehr viele Faktoren im Spiel, wie z. B. Infrastruktur, Geld (Förderverein), Coaches, Sponsoren (die dem Verein die Soll-Ist Strafe bezahlen) uvm.
Jeder Verein muss sich im Klaren sein, dass er Geld in die Hand nehmen muß um Schiris aufzubauen. Es muss am Anfang auch die Manpower/Coaches vorhanden sein. Und ganz wichtig für die jugendlichen Anwärter: Hier sollte der Verein die notwendige Übernahme der Verantwortung dem Anwärter mit auf den Weg geben.

Was gibt dir der Schiedsrichter Sport zurück?
Man spricht immer über die Trainer, wie ein Jürgen Klopp, dem Menschenkenner. Was ist aber mit dem Schiedsrichter? Die bauen unfassbar wertvolle Soft-Skills auf, die einem das ganze Leben helfen.
Und der Verein darf die Schiris nicht als ein Übel im Verein ansehen. Es heißt immer Vereine müssen Schiris stellen. Aber oftmals werden die Schiris in das Vereinsleben nicht mit einbezogen. Anerkennung und Wertschätzung fehlt hier oftmals.

Vielen Dank für das Interview Heiko. Das waren ein paar tolle Erkenntnisse.
Ich danke auch vielmals.

CategoryInterview
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